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06.05.02 -- Siggi Kuipers

Hat Gott einen Hund????














Hat Gott einen Hund?
Kolumne
Von Traugott Giesen
http://www.welt.de/daten/2002/05/04/0504h1330118.htx
Sicher hat Gott einen Hund. Aber warum nur einen? Alle Hunde sind doch
seine. Und die Katzen auch. Und die Löwen und die Regenwürmer. Aber Du
meinst, ob er einen besonderen hat, einen Lieblingshund? Ja, der ihn gerade
besonders braucht. Immer der besonders in Not ist, dem hält er gerade das
Auto vom Hals, wenn es noch geht. Doch manche Hunde laufen so geradewegs
unters Rad, da kommt jeder Engel zu spät. Dann weint sicher Frauchen und
wenn ein Wesen weint, schmerzt Gott das mit. Der hat ja ganz viele Nerven,
alles ist an ihn angeschlossen. Von ihm bekommt alles Lebendige die Kraft.
Und Gott merkt alles Leid und alle Freude. Besonders, wenn die jungen Hunde
sich so balgen, freut er sich mit. Dass die sich beißen können, ohne sich
wehzutun ist, ein besonders schönes Geschenk an die Hunde.

Der liebe Gott soll den besten aller Hunde bei sich haben, könnte man
meinen. Vielleicht einen, den er für sich behält - keinen Menschenkameraden
und Erdenhund, sondern einen Engelshund, einen Himmelshund. Dann müssten da
natürlich auch Bäume sein, wo Gott ist. Ganz sicher sind da auch Bäume, die
sind ja sowieso die schönste Erfindung, weil sie so friedlich sind und alle
trösten. Aber Gott hat auch noch unerwachte Träume, vielleicht gibt es nah
bei ihm zukünftige Hunde, die schon mal Probelaufen.

Der Schöpfer von allem wohnt im Himmel, aber auf Erden hat er seine
Werkstatt. Hier gibt es eben die irdischen Hunde, mit den Unarten und Mühen,
die Hunde so haben. Die Menschen froh zu machen, ist ihre harte Arbeit. Was
die alles abkriegen, wofür sie gar nichts können. Aber dann gucken sie so
melancholisch, dass ihre Frauchen und Herrchen ein schlechtes Gewissen
bekommen und vielleicht doch noch etwas bessere Menschen werden.

Ob die Hunde auch beten? Also, andächtig können sie sehr sein, und mit
welcher Spannung sie den Duftmarken nachschnüffeln - vielleicht denken sie
nicht oft an Gott, aber sie sind ihm dauernd auf der Spur. Denn die guten
Hundegaben sind doch dessen Erfindungen. Bearbeiten sie hingegeben ihr Stück
Fleisch (hoffentlich bekommen sie auch noch was Frisches, Rohes), dann ist
das ein "Hunde - Lobe den Herrn". Und wie viel Menschen haben schon Gott
gedankt wegen ihres Hundegefährten! Es sind sicher mehr, als sonntags in der
Kirche sind. Es gibt die schöne Geschichte vom ersten Menschenpaar im Garten
Eden. Denen musste Gott ein paar ernste Worte sagen, zum Beispiel, dass sie
die Erde bebauen und bewahren sollen, und er ging zu ihnen in der
Verkleidung eines lebenserfahrenen weisen Menschen. Die Szene ist oft gemalt
worden, und wenn ich sie malen würde, wäre ein Hund bei Gott am Fuß. Zum
Zeichen, dass es eigentlich einfach ist, auf Gott zu hören, weil wir ja alle
ihm gehören.

Der Autor ist Pastor in Keitum auf der Insel Sylt. Sie erreichen ihn unter:
giesen@welt.de






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