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Smokes unendliche Geschichte

 

Einig waren wir, mein Mann, unser achtjähriger Sohn und ich, uns durchaus: unser nächster Hund sollte ein "altdeutscher" Schäferhund sein. Aber unsere zwei "Mädels" waren ja eigentlich genug. Vielleicht wenn unsere alte Josi mal nicht mehr ................. Oder ??? Da war sie nämlich, die Annonce mit diesem faszinierenden Hund - Vater der Welpen. Kurze Beratung mit der Familie: doch wieder ein dritter Hund dazu? Na ja, wenigstens wollten wir uns die "Sache" mal ansehen. Also: Gespräch mit der Züchterin, Besuch bei den Welpen - wir waren schlichtweg begeistert. Das Züchterpaar, die Anlage für die Hunde, die ganze Hundefamilie und vor allem die Hundemutter in ihrem Wesen - waren einfach toll. Nach weiteren Besuchen bekamen wir stolz und glücklich unsere Smok(i)e. So hatten wir sie wegen ihrer (rauch-)grauen Farbe getauft(Bild 1). Ihr eigentlicher Name, "Floh", traf haargenau ihr Temperament. Sie verstand sich auf Anhieb mit unserer vierjährigen, überaus gutmütigen und verspielten Golden Retrieverhündin Gipsy und so verliefen die nächsten vierzehn Tage mit sehr viel Freude.

 

 

Warum ich all das erzähle ? Weil es vielleicht ein wenig die Verzweiflung erklärt, die uns alle bei dem befiel, was dann passierte. Ja, was passierte denn eigentlich? - Obwohl ich unsere Hunde, vor allem Smoke, fast pausenlos beobachtete, kann ich es nur vermuten! War es im Spiel mit der eigentlich so rücksichtsvollen Retrieverhündin, oder war es ein Bauchfletscher auf den Fliesen ? War es beim Toben durch die Büsche im Garten oder hatte Smoke gar versucht auf die kleine Mauer zu springen und war, noch bevor ich hinterhergelaufen kam, rücklings auf den davor stehenden Kübel geknallt? Zunächst fiel nur auf, daß sie ungewohnt "lurig" und gleichzeitig sehr unruhig war, gerade so, als wenn ihr irgend etwas Schmerzen bereitete. Am nächsten Tag humpelte sie hinten rechts. Mir gefiel überhaupt nicht, was ich sah; war ich doch sicher, daß es noch schlimmer kommen würde. Unser Tierarzt spritzte Cortison gegen eventuelle Schwellungen und Entzündungen. Leider behielt ich mit meiner bösen Ahnung trotzdem recht. Am nächsten Tag war die Hinterhand unseres zehn Wochen alten Welpen gelähmt !!! Die Röntgenaufnahmen zeigten, soweit möglich, keine Verletzung der Bandscheiben, des Rückenmarks usw.. Auch die Hüften sahen gut aus. Einigermaßen betroffen, weil keinerlei Besserung eingetreten war, setzte unser Arzt eine zweite Cortisonspritze, gab uns für zu Hause Traumanase und Vitamin B Tabletten. Mehr Therapie war für einen so jungen Hund nach der konservativen Methode zunächst nicht möglich. Wir einigten uns, abzuwarten und blieben telefonisch in Verbindung.

 

 

Eine Woche verging, jedoch die Nervenausfallerscheinungen blieben. Im linken Hinterbein waren die Reflexe fast normal, im rechten nur ganz schwach und stark verzögert. Den Darm hatte Smoke halbwegs unter Kontrolle, die Blase überhaupt nicht. Fortbewegen konnte sie sich nur über die Vorderbeine, beide Hinterbeine zog sie wie leblos hinter sich her (Bild 2 u. 3). Was nun? Diesen lustigen kleinen Schlingel - aus dem zu dieser Zeit ein relativ kräftiger und großer, aber gelähmter Schäferhund zu werden drohte - etwa einschläfern?

 

 

Nein! Niemals! Nicht solange auch nur die winzigste Hoffnung bestand. Die nächsten Tage hatte ich ohnehin keine Zeit darüber nachzudenken, was werden sollte. Ich war ständig damit beschäftigt, ihren Bewegungsdrang zu befriedigen. Schmerzen hatte sie ja keine mehr, ihre Lebensfreude war ungebrochen. So trug ich sie durch Wohnung und Garten, hin und wieder ließ ich sie alleine robben, wenn meine Kraft nicht mehr reichte. Wohnung und Terrasse waren inzwischen mit Teppichen und Decken versehen, damit sie sich nicht zu wund scheuerte. Waren die Hunde mit "Knabberarbeiten" beschäftigt (Bild 4), beugte und streckte ich vorsichtig Smokes Hinterbeinchen.

 

 

Meist aber schlang ich ein breites Tuch unter Smokes Bauch durch und hielt so ihre Hinterhand in die passende Höhe (Bild 5+6). Benutzen konnte sie beide Hinterbeine nach wie vor nicht, was sie aber nicht daran hinderte, mit mir am Ende des Tuches (manchmal im Höllentempo) durch den Garten zu sausen. Immer wieder schön eng um den einzigen Baum herum, weiter ums Kinderspielhaus, unter der tiefsten Turnstange durch und weiter ........zwei, drei Stunden " am Stück" mit nur sehr kurzen Pausen dazwischen. Meine Versuche, die Muskulatur durch Schwimmen in der Badewanne besonders schonend anzuregen, schlugen leider fehl, da Smoke trotz Unterstützung dabei deutlich Angst und Unbehagen empfand. Schlief sie endlich mal, wurden die Spuren ihrer "Hinterlassenschaften" gründlich beseitigt. Das die ganze Wohnung inzwischen merkwürdig nach Hund roch, es war nicht zu ändern. Im Haushalt wurde nur noch das Allernotwendigste geschafft, die Gartenarbeit war sowieso egal. Ich ließ Smoke in dieser und der kommenden Zeit Tag und Nacht nicht eine Minute allein.

 

 

So vergingen beinahe drei Wochen, in denen keine merkliche Besserung eintrat, was auch unseren Tierarzt weitaus weniger zuversichtlich stimmte. Die ständige Ungewißheit, ob und wie Smoke weiterleben würde, zerrte entsetzlich an unseren Nerven. Mich beherrschte das Gefühl, irgend etwas tun zu müssen! Ohnehin nicht mehr ganz unerfahren, vertiefte ich mich in die Homöopathie. Ich las und verglich, bis ich die meiner Meinung nach sinnvollen Mittel gefunden hatte und wagte es einfach. Nach über einer weiteren Woche war Smoke in der Lage, sich, auf der rechten Hüfte sitzend, mit dem linken Hinterbein ganz schwach vorwärts zu drücken. Das rechte Hinterbein schleifte weiterhin wie leblos hinterher. So blieb es eine ganze Weile. Ich praktizierte weiter unsere Laufübungen, massierte ihren Rücken und die Beine. Damit sie in dieser wichtigen Entwicklungsphase nicht alles versäumte, trug ich sie ab und zu ein Stück die Straße entlang und begrüßte mit ihr benachbarte Hunde. Nachdem so etwa weitere 14 Tage vergangen waren und das linke Hinterbein merklich an Kraft gewonnen hatte, ging ich dazu über, sie an ihrem Freßnapf hinzustellen. Anfangs kippte sie sofort um, also lehnte ich sie mit der rechten Seite gegen den Küchenschrank. Nach einer weiteren guten Woche schaffte sie es dann, auch ohne Hilfe stehen zu bleiben. Versuchte sie zu laufen, fiel sie allerdings sofort auf die Hüfte und rutschte weiterhin vorwärts. Wir machten weiter wie bisher, übten Stunde um Stunde im Garten, ich weiß nicht wie viele. Hatte ich bisher genau darauf geachtet, nicht durch ein "Zuviel" das Gegenteil zu erreichen, so fiel es mir jetzt jeden Tag schwerer, ihrem Tempo und insbesondere ihrer Kondition stand zu halten. Immer öfter versuchte Smoke, auch das rechte Hinterbein einzusetzen. Nahm ich das Tuch unter ihrem Bauch weg, fing sie jedoch sofort wieder an zu rutschen, setzte aber auch dabei vermehrt beide Beine ein, um sich vorwärts zu schieben. Wir waren glücklich: die Lähmung schien völlig zu schwinden, - nach nunmehr beinahe drei Monaten. Unsere aufkeimende Hoffnung erhielt jedoch einen jähen Dämpfer. Unser Tierarzt hatte sich inzwischen mit Spezialisten beraten. Diese waren der Meinung, die vorhandenen Reflexe und kleinen Fortschritte reichten nicht aus. Ein spezieller, für den Hund wohl äußerst schmerzhafter Test sollte so schnell wie möglich Aufschluß geben, was aus unserer Smoke werden sollte. Wir fielen in ein tiefes Loch. All die Mühen und Anstrengungen dieser unendlich dauernden drei Monate, unser Hoffen und Bangen um dieses überaus liebgewonnene Hundekind- doch alles vergeblich??? Wir konnten nicht anders, an diesem Abend schossen die Tränen nur so aus uns heraus. Am nächsten Tag wich die Verzweiflung wilder Entschlossenheit. Ich konnte und wollte es nicht ertragen, gerade diesen Hund zu verlieren, "verordnete" neue Tabletten, massierte und übte fast wie besessen. Smoke mußte es einfach schaffen, auf die Beine zu kommen und zu laufen. Und sie schaffte es. Unsicher wankend, aber ohne jede Hilfe hinkte sie zunächst nur einzelne Schritte. Fiel sie auf die Hüfte, versuchte sie immer öfter, sofort wieder aufzustehen und weiter zu laufen. Beinahe jeden Tag kam ein winziger Fortschritt hinzu. Als wir nach einer weiteren Woche endlich zu unserem (vor uns her geschobenen) Tierarzttermin erschienen,. konnte unser Tierarzt kaum glauben, was er doch selber sah. Den Test konnten wir dem kleinen Hund und uns ersparen.

 

 

Inzwischen ist unsere Smoke fast ein Jahr alt. Vollkommen gesund ist sie nicht, aber an normalen Tagen ist von ihrer Behinderung nicht all zuviel zu merken. (Bild 7) Unsere "unendliche" Geschichte ist überstanden, aber niemals vergessen. P.S. Die Geschichte von Smokes Krankheit habe ich für all jene aufgeschrieben, die sich mit Ihrem Hund in einer ähnlichen Situation befinden. Ob es nun die Homöopathie war oder die Hartnäckigkeit, mit der wir gekämpft haben, vermag ich nicht zu sagen. Ganz sicher sollte man jedoch nichts unversucht lassen, solange auch nur eine winzige Chance besteht.

Petra Eichhorn (E-Mail: eichhorn@rw.sni.de)

 

 
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