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"Schwester Wotan"!

Wotan

 

Ein Beitrag von unserem Forumsmitglied Birgit

Wotan arbeitet nun schon seit 4 Jahren in unserem Pflegeheim als von uns ernannter, ehrenamtlicher "Therapiehund". Er geriet eigentlich ganz zufällig zu dieser Tätigkeit. In unserem Heim sind Haustiere nicht nur erlaubt, sondern erwünscht, was für unsere Bewohner ein erheblicher Beitrag zur Lebensqualität darstellt. Viele mußten im Alter auf ihr geliebtes Tier verzichten und so ist Wotan an ihrer Seite, wenn sie Sehnsucht nach einem weichen Fell und treuen Augen haben. Ich nahm Wotan erst immer mit zum Dienst. Sehr schnell erkannten wir, wie wichtig der Umgang mit ihm zu den Heimbewohnern war. Wotan erkennt instinktiv, wer ihn braucht und wie er mit den alten Menschen umgehen soll. Am Wichtigsten ist der Umgang mit depressiven Menschen. Wotan setzt sich zu Ihnen und schaut sie mit seinenem seelenvollen Boxerblick an. Irgendwann wird auch der kummervollste Mensch auf ihn aufmerksam und wendet sich ihm zu. Es ist dann, als trügen Beide die Last des Lebens und Wotan nimmt den Kummer ein kleines Stück von ihnen. Das sind Augenblicke, die man nicht vergißt, wenn in sein Fell geweint wird und er dabei tief seufzt, als verstünde er die Welt, in die er in diesem Augenblick eingetaucht ist. Er ist wie ein Beichtvater und nach den 4 Jahren eigentlich unentbehrlich für unser Team. Wir haben schon Momente erlebt, die wir uns nie vorstellen konnten. Da war z.B. eine alte Dame, die in ihrer eigenen Welt lebte. Sie hatte Kontraktionen in den Händen, d.h.,- sie konnte die Hände nicht mehr öffnen. Sie saß im Rollstuhl und war so unglücklich, daß sie die Umwelt nicht mehr wahrnehmen wollte und sich vom Leben abgewandt hatte. Wotan setzte sich still neben sie und legte seinen Kopf in ihren Schoß. So verharrten Beide eine lange Zeit. Irgendwann sahen wir, wie diese Frau mit geöffneten Händen über Wotans Kopf strich! Für uns war das ein kleines Wunder und wir werden das niemals vergessen. Damals haben wir Alle begriffen, wie unendlich wichtig ein Hund von Wotan`s Wesen für uns ist und setzten ihn ganz bewußt im Heim zur "Therapie" ein. Da gibt es Opas, die er zum Spiel auffordert und gekonnt ein tolles Balltrippling hinlegt - genau vor die Füße der Bewohner. Wer kann da widerstehen? Manchmal albert er so über den Flur, daß sich Keiner das Lachen verkneifen kann und alle um seine Aufmerksamkeit buhlen. Wie schnell ist dann die Einsamkeit vergessen, wie schnell sind Kontakte geknüpft und wie schön ist es, gemeinsam zu Lachen. Es kommt auch vor,daß ihm gehörig an den Ohren gezogen wird, aber Wotan nimmt einfach nichts übel. Am Rollstuhl läuft er selbst, als wäre er alt und krank und gibt somit Allen das Gefühl, daß dieser Zustand der normalste der Welt ist. Dieser Hund erstaunt uns immer wieder. Wir setzen ihn jetzt auch gezielt in unseren betreuten Gruppen ein. Dort sorgt er für Unterhaltung und bekommt Streicheleinheiten daß man neidisch werden könnte. Anfangs wußen wir genau, wann sich ein Mensch zum Sterben aufgemacht hatte. Wir erkannten es an Wotans Verhalten, da er das Zimmer nicht betreten wollte. Heute setzt er sich still vor die Tür und hält "Wache". Ich könnte Euch noch viele Begebenheiten erzählen, aber das würde dann noch länger dauern. Alle meine Kolleginnen haben Hunde, aber keiner eignete sich für diese Aufgabe, wie sie Wotan ausführt. Entweder waren sie zu temperamentvoll oder zu ängstlich. Mittlerweile gehört unser Boxer zum Team und wird von Allen liebevoll "Schwester Wotan" genannt. Wir lieben diesen Hund!

 

 
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