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04.09.00 --

Anjin: Mit einem FLITSCH den Hund im Griff / Klein-Anders kommt nach Hause.

Arabelle begrüßt den größeren Bruder unterwürfig.

 

So mag Anders andere Hunde.

 

Anders Augen sind schon etwas heller braun als die seiner Schwestern.

 

Noch ein Anders-Portrait.

 

Heute machte ich früh einen Dressurspaziergang mit 4 Hunden und im Verlauf des Vormittags mit Anjin und Arabelle jeweils Einzelunterricht in der Fußgängerzone. Während sich das Rudel schon immer besser durch Futter Verteilen von Provokationen ablenken ließ und Arabelle einzeln ein wahrer Engel ist, voll konzentriert auf mein nächstes Kommando und die nächste Fresschenvergabe, machte mir Anjin auf unserem ersten Einzel-Spaziergang klar, dass sie mein Abrufen zwar hört und ihr Leckerchen dafür auch haben will, allerdings erst nach lautstarkem Hinsausen zum fremden Hund. Sie war dabei höchst effektiv: In absoluter Höchstgeschwindigkeit auf den fremden Hund zu, schnell ein "Wuff!", eine Kehrtwendung, in gleicher Geschwindigkeit zu mir zurück, voller positiver Erwartung vor mich gesetzt und Leckerli kassiert. Das war zwar nicht genau das, was ich mir vorstellte, aber mit Weglassen der Belohnung allein würde ich in diesen Situationen höchstens das Zurückkommen und Hinsetzen uninteressant machen. Meine Kleinen sind heute genau 9 Monate alt. Pubertierende Blagen können schon anstrengend sein! Mir fielen meine Wurfeier ein. Am besten gleich während des Starts ABTREFFEN, das wärs! Hier ist ja wohl Unterlassungsdressur angesagt. Nur treffe ich nicht unbedingt sicher. Dagegen hatte ich eine Idee. Wieder zu Hause schnitt ich mir einmal 10 und einmal 15 m Gummileine zu. An den Enden knotete ich Schlingen, so dass man Karabinerhaken einhängen konnte. Am Ende der kürzeren Leine befestigte ich ein Wurfei, d.h. einen etwa taubeneigroßen, runden Kiesel, der in mehreren alten Socken steckte, damit er zwar Masse mitbringt, jedoch nicht verletzend wirken kann. Zur Sicherheit befestigte ich beide Leinen gleich an Anjins Halti. So zog ich wieder mit ihr hinaus. Ich hatte das Glück, bald eine Katze zu treffen. Klar wollte Anjin sie jagen. Ich ließ sie die Gummileinen spannen. Die längere behielt ich fest in der einen Hand, das Wurfei wartete in der anderen. Sowie ich das Gefühl hatte, das Wurfei müsste jetzt genug in Fahrt kommen, bis Anjin zu fliegen, ließ ich es los. FLITSCH! - es landete, zielsicher wie erwartet, zwischen Anjins Beinen. Überrascht blieb Anjin stehen, die gerade ins Gebüsch und der Katze hinterher wollte. Ich sagte "Hier!" und sie kam sofort - ein voller Erfolg! Ein Stück weiter preschte sie auf einen angeleinten Hund zu. Wieder konzentrierte ich mich auf den richtigen Startmoment und - FLITSCH! Das Wurfei traf Anjin breitseitig in die Flanke, als sie gerade "Wuff!" machen wollte. Erschreckt rannte sie zu mir zurück, obwohl ich in der Situation ganz vergessen hatte, "Nein!" oder "Hier!" zu sagen. Brav setzte sie sich vor mich und wurde mit lecker Fresschen und viel Lob empfangen. Ab jetzt brauchte ich das Wurfei eigentlich nicht mehr. Anjin achtete sehr sorgfältig darauf, die Leinen gar nicht erst zu spannen, so dass ich keine Gelegenheit mehr hatte, es einzusetzen. Damit verzichtete Anjin auf jegliche Provokationen. Sie war auch sonst der bravste Hund, den man sich in einer Fußgängerzone wünschen konnte, voll auf mich konzentriert, kein überflüssiges Gebell machend, sofort auf Befehle reagierend. Möglicherweise löst die FLITSCH-Leine jetzt gleich mehrere Probleme, die ich mit Anjin hatte:

1. Die Jagd auf andere Tiere fand zumindest an der Leine ihr jähes Ende. 2. Die Zieherei an der Leine war weg. 3. Anjin konzentriert sich jetzt voll auf mich und nimmt meine Befehle sofort ernst. 4. Anjin bellt nicht mehr dumm herum, so in dem Sinne "Seht alle her wie groß und stark ich bin!". Dabei zeigt sie schon noch die stolz aufgerichtete, Dominanz ausstrahlende Haltung der Ohren und der Rute. Sie ist also durchaus nicht verängstigt.

Nachmittags bekam ich einen Anruf aus Anders aktueller Familie. Der neue Vermieter sei mit Hundehaltung nicht einverstanden. Anders müsse abgegeben werden. Ich hätte doch dieses Vorkaufsrecht in den Vertrag geschrieben. Ob ich ihn zurückhaben wolle. "Ja klar! Immer her damit!", war meine spontane Reaktion. Schließlich geht es um eines "meiner" Babys! Über den Wert können wir dann diskutieren, wenn der Hund bei mir sei und ich wüsste, auf welchem Entwicklungsstand er sei, welche Macken er möglicherweise habe und welchen Weiterverkaufspreis ich für ihn noch nehmen könne. Es ginge ja gar nicht ums Geld...wann er denn kommen dürfe? "Am liebsten sofort!", war meine Reaktion, "lieber jetzt als später!". 20 Min. später kam Anders Frauchen mit Sohn und Hund bei mir an. Wie jedes Mal hatte Anders schon die letzten 100 m stark in unsere Richtung gezogen und jetzt hüpfte er mich freudig an und wurde entsprechend herzlich begrüßt. Beide Begleiter waren den Tränen nahe. Die Tochter hätte es abgelehnt, mitzukommen. Sie sei ohnehin in psychiatrischer Behandlung wegen der schlimmen Ereignisse um ihren Vater und jetzt das - sie sei fix und fertig. Ob die Kinder Anders denn gelegentlich bei mir besuchen dürften - ja, natürlich. Am liebsten wäre ihnen natürlich, ich würde ihn bei mir behalten, in ihrer Nähe. Anders macht einen supergut gepfegten, leicht überfütterten, absolut menschenfreundlichen Eindruck. Nur vor fremden Hunden habe er oft Angst. Das stellte er gleich im nächsten moment unter Beweis, als er Anjins heftiger Begrüßung auswich. Arabelle hatte ich auch im Wohnzimmer, die 3 älteren Hunde hatte ich bewusst ausgesperrt. Arabelle war zurückhaltend freundlich und gefiel Anders bedeutend besser als die wilde Schwester. Ich nahm alles, was ich an Geld im Portemonnaie hatte heraus und drückte es Anders Frauchen in die Hand. 420,- DM, besser als nichts. Ob noch was dazukäme und wenn ja, wieviel, wollte ich mir überlegen, wenn ich mehr über seinen Zustand und sein Verhalten wüsste. Aufgrund zu eiweißreicher Fertigfutterernährung mit Welpen- und Leistungshundprodukten ist Anders nicht nur geringfügig übergewichtig, sondern hat noch welpenhaft weiche Fesseln, die er manchmal X-ig durchdrückt. Ich hoffe, ich bekomme seine Läufe durch die bei uns übliche Ernährung noch so fest und gerade, wie die seiner Schwestern. Vor den Wagen spannen oder springen lassen kann ich ihn so noch auf gar keinen Fall! Als seine Begleiter uns verlassen hatte, öffnete ich die Terrassentür und ging mit den Schwestern hinaus in den Garten. Anders traute sich erst nicht so recht zu den anderen. Ich drängte ihn nicht. Irgendwann schlich er dann hinaus und schnupperte im Gebüsch herum. Die anderen hunde begrüßten ihn. Aron stellte sich steifbeinig besonders hoch wirkend mit sämtlichen Dominangesten, die er auf Lager hat vor ihm auf. Anders kuschte. In Demutshaltung mit angelegten Ohren und in geduckter Haltung zeigte er sich unterwürfig. So war es Aron gerade recht. Er akzeptierte ihn. Belana hatte eigentlich kein Interesse an ihm. Ihr war wichtig, dass ich jetzt endlich Gegenstände für sie warf. Ich ließ sie apportieren. Keiner soll das Gefühl haben, dass er nun, da Anders zurück ist, zu kurz kommt. Anders ging derweil allein im Garten spazieren und blieb respektvoll auf Distanz. Ich spielte immer wieder mein Welpenprägespiel "Hier, hier, Minitier!" mit Weglaufen, Hunde nachlaufen und vor mir sitzen lassen und Leckerlis verteilen. Anders spielte begeistert mit, setzte sich aber einen halben Meter weit weg in sicherer Distanz, so dass ich meinen Arm ausstrecken musste, um ihn zu füttern. Ich versuchte auch einmal, alle 6 hunde nebeneinander Platz halten zu lassen, was jedoch nur mit meiner vollen Aufmerksamkeit für wenige Sekunden gelang, weil Anders dann wieder aufstehen wollte. Nun ja, wir werden daran arbeiten.

Abends musste ich Belana mal kurz mit Alphawurf scharf zurechtweisen, als sie aus Eifersucht über ihren Sohn herfallen wollte, der es wagte, sich genau dort zu plazieren und streicheln zu lassen, wo sie es sich doch sonst am liebsten gemütlich macht. Ich kann 2 Hunde gleichzeitig streicheln und setzte dies auch durch.

Ich kochte spät am Abend noch eine große Portion Mehlbrei und machte mit Matzinger-Fleisch-Pur und etwas Sonnenblumenöl ein leckeres Futter daraus. Schluss mit nur noch draußen Fresschen verteilen - Hunger ist keine gute Voraussetzung, um einen Hund ins Rudel zu integrieren! Also durften sich alle so richtig vollfressen und es blieb friedlich.

 

 
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Fox-Lions -- 06.04.2008

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